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Passionszeit und Fastenzeit

Kraft zum Neuanfang

Alle Religionen kennen für Phasen der Erneuerung seit Jahrtausenden <heilige Zeiten>, dies sind aus
dem Alltag herausgehobene Zeitinseln, die allein dem Menschen, der Besinnung und der Ruhe dienen
sollen. Doch Muße scheint in unserer Gesellschaft ein Fremdwort geworden zu sein, warnt der
Verhaltensmediziner und Meditationslehrer Jon Kabat Zinn: „Wir laufen heute Gefahr, den Kontakt zu
uns selbst zu verlieren“.
Viele Zeitkrankheiten -allen voran Depressionen und Hyperaktivität- entstehen,mweil wir permanent von
den Wünschen und Zumutungen der Mitmenschen umzingelt sind. Aus Erschöpfung und Zeitmangel
kommen wir nicht mehr dazu, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Dabei sei das <Allein-sein-Können>
die wesentliche Vorbedingung für alle schöpferisch tätigen Menschen.
Der Mensch brauche beides, das Tun und das Träumen. Stille, Kontemplation und Innenschau sind für
viele Menschen allerdings gleichbedeutend mit Langeweile. Doch auch Langeweile habe einen Sinn, erklärt
die Schweizer Psychologieprofessorin Verena Kast. Die Langeweile begünstigt neue Lebensimpulse sowie
kreative Fantasien und Träume.
„Zum vollen Menschsein gehöre, dass wir von Zeit zu Zeit bewusst in die Einsamkeit gehen, um allein mit
uns zu sein“, urteilt der Benediktinerpaterund Weisheitslehrer Anselm Grün. „Das sind kostbare Zeiten, in
denen wir frei werden von allen Rollen, die wir sonst oft genug spielen. Wenn wir allein sind, kommen wir
mit unserer Wahrheit in Berührung“.
Um Abstand zum Alltag zu bekommen, brauchen wir Zurückgezogenheit und Stille, erklärt auch der Philosoph
und Soziologe Frédéric Lenoir. Genau das aber macht uns häufig Angst. In der modernen Welt, in der wir
ständig von zu viel Worten und Musik, Lärm und Geplärr umgeben sind, wirkt das Fehlen von Geräuschen fast
schon bedrohlich. Lenoir ist überzeugt: „Echte Stille ist die, die man tief in sich selbst findet. So wie der
Körper Ruhe brauche, müsse auch das geistige Ich zur Ruhe kommen, Frieden finden, den Spannungen eine
Zeit lang entkommen“.
„Die Kraft der Stille können wir auch mitten im Alltag erfahren“, erklärt der spirituelle Autor Pierre Stutz.
„Wir können uns selbst unterbrechen. Wir haben genügend Möglichkeiten, um der Seele Atempausen zu
gönnen. Die Stille ist eine Lebensnotwendigkeit, um weiterhin mit größter Präsenz und Klarheit mitten im
Leben stehen zu können“.
Quelle: epd / HS

Zeit der Rückbesinnung

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Rückbesinnung und der inneren Reinigung, der Körper wird
durch das Fasten von unnötigem Ballast befreit. Ein vergleichbares Bild für den Reinigungs-
weg der Fastenzeit ist der Bericht von der Tempelreinigung im Johannesevangelium.
Auch unser Körper gleicht oft einem verunreinigten Tempel oder einer Markthalle. Da gibt es
lärmende Händler und schreiende Geldwechsler. Sie stehen für den unsere Gedanken um-
kreisenden Lärm und für das Bemühen, unseren Wert auf dem öffentlichen Markt der Eitel-
keiten zu erhöhen. In uns sind Rinder, Schafe und Tauben. Die Rinder stehen für das Trieb-
hafte in uns, die Schafe für das Oberflächliche. Und die Tauben sind ein Bild unserer flatter-
haften Gedanken. Wenn wir uns als Markthalle fühlen, dann müssen wir das Innere mit
großer Energie zusammenhalten. Wir spielen nach außen hin eine selbstsichere Rolle, im In-
neren aber tobt ein Kampf.
Jesus ist gekommen, um die Rinder, Schafe und Tauben, die Händler und Geldwechsler aus
uns herauszutreiben, damit unser Leib ein Tempel Gottes wird. Die Fastenzeit ist dazu da,
unser inneres Haus zu reinigen, damit Christus darin einziehen kann.
Die Reinigung unserer inneren Markthalle, die lärmenden Händler und die flatternden Tauben
zu vertreiben kostet einige Mühe. Es gibt in uns Hausbesetzer, die sich nur schwer verdrängen
lassen. Negative Emotionen haben sich eingenistet und lassen der Seele keinen Raum zum
Wohnen. Um sie zu vertreiben brauchen wir die Klarheit und die Entschlossenheit, die Jesu
bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel an den Tag gelegt hat.
Zuerst bedarf es der Klarheit, welche Hausbesetzer uns lästig geworden sind. Das mit dem
Fasten verbundene Gebet wird helfen, Platz zu schaffen, um mit meinem Umfeld, mit mir
selbst und mit Gott ins Reine zu kommen.
Quelle: Fasten - der Weg nach Innen